AD(H)S Spektrum Selbsttest

Dieser Test kann keine ärztliche Diagnose ersetzen. Er kann Hinweise bieten, die eventuell auf eine vorliegende AD(H)S hindeuten. Je mehr Fragen sie mit Ja beantworten können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein AD(H)S vorliegen könnte.

Weiterlesen: AD(H)S Spektrum Selbsttest

Tipps für Menschen im AD(H)S Spektrum

Die meisten Menschen, die von AD(H)S erfahren, haben einen langen Leidensweg hinter sich. Ständig das Gefühl zu haben, „irgendwie anders“ zu sein, und dies nicht erklären zu können, hat viele Betroffene in die unglaublichsten Lebenssituationen gebracht, die mit Sicherheit viele Bücher füllen würden. Wenn ein Betroffener erfährt, dass er ADS/ADHS hat, ist es meist wie ein Erwachen. Plötzlich ist man in der Lage, das Lebenspuzzle zu einem vollständigen Bild zusammenzusetzen. Viele Verletzungen und Fehlentscheidungen werden schmerzhaft bewusst und nach dem Erwachen setzt meist eine Art von Depression ein mit der Frage: Warum habe ich das alles nicht früher gewusst?

 

Dieser Prozess dauert bei jedem Betroffenen unterschiedlich lange und löst mannigfache Reaktionen aus. Mit den nachfolgend aufgeführten Tipps möchten wir eine Hilfestellung geben, um die Zukunft besser meistern, gestalten und das Erlebte besser verarbeiten zu können. Grundsätzlich kann hier aber nur eines gelten: DEN BLICK NACH VORN und aus Erlebtem und Erfahrungen Rückschlüsse ziehen, die helfen, einen neuen Weg in die Zukunft zu ebnen.

Lassen Sie sich diagnostizieren. Nicht alles ist ADS/ADHS. Suchen Sie dafür am besten einen kundigen Arzt, Neurologen, Psychiater oder Psychologen auf, der aussagekräftige Tests und Untersuchen macht, die eine Fehldiagnose ausschließen.

Informieren Sie sich über ADS/ADHS. Lesen Sie Bücher. Sprechen Sie mit anderen Betroffenen. Besuchen Sie Internet–Foren zum Thema ADS/ADHS. Kontaktieren Sie eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe.

Suchen Sie sich einen Coach, eine Person mit der Sie alle Probleme besprechen können, jemanden, der Ihnen hilft sich zu strukturieren und Klarheit in Ihren Alltag bringt. Bedenken Sie bitte,dass es nicht immer ratsam ist, dafür den eigenen Partner zu wählen, da viele Entscheidungen „emotionslos“ getroffen werden müssen.

Informieren Sie andere, über ihre Diagnose, wenn Sie es für angebracht halten. Beziehen Sie Ihr Umfeld mit ein. Lassen Sie sich aber nicht entmutigen, wenn die Diagnose auch einmal als Ausrede verstanden wird. Erklären Sie den Menschen Ihre Defizite und vor allem Ihre Vorteile. Bitten Sie um Hilfe bei der Strukturierung Ihres Lebens. Sie werden sehen, dass Sie Hilfe bekommen werden.
Bekämpfen Sie Ihre Schuldgefühle, weil Sie ständig auf der Jagd nach Stimulation sind. Es gehört zu Ihrem Naturell und es passiert nicht böswillig.

Erbitten Sie bezüglich Ihres Verhaltens Feedback von vertrauten Personen. Ziehen Sie Ihre Lehren aus den Aussagen und lassen Sie sich erklären, was bei der Person angekommen ist. Nutzen Sie solche Gespräche wie einen Spiegel für sich selbst. Ein Nachteil des ADS/ADHS ist eine eingeschränkte Selbstbeobachtungsgabe.

Denken Sie darüber nach, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen oder eventuell eine eigene zu gründen. Sie werden in solch einer Gruppe das Gefühl erfahren, mit den Problemen nicht alleine zu sein. Diese Erfahrung ist oft schon eine große Hilfe und gibt Ihnen Kraft, sich selbst in den Griff zu bekommen.

Machen Sie sich klar, dass Sie nicht unbedingt krank sind. Sie funktionieren einfach anders und stehen damit nicht alleine auf der Welt. Versuchen Sie nicht, den versäumten Möglichkeiten nachzutrauern, sondern schauen Sie nach vorne und überlegen Sie sich, wie Sie Ihre Vorteile weiter ausbauen können, um die Defizite zu relativieren.

Lassen Sie sich nicht von den klassischen Vorgaben des Karrieredenkens beeinflussen. Erlauben Sie sich, Ihre Ideen und Vorstellungen auszuleben. Viele Ideen, die Sie haben, sind es mehr als wert, umgesetzt zu werden.

Denken Sie daran, dass ADS/ADHS kein schlechter Charakterzug oder schlechte Erziehung ist. Sie sind so wie Sie sind. Lernen Sie sich neu kennen und fangen Sie an, sich so zu akzeptieren. Dann wird das auch Ihr Umfeld tun.

Helfen sie anderen ADS/ADHS-Betroffenen. Veröffentlichen Sie Ihr Wissen darüber, Ihre Erfahrungen und Ihre Erkenntnisse. Sie werden dadurch selbst mehr über ADS/ADHS und durch die Hilfe ein positives Gefühl erfahren.

Schaffen Sie sich Merkhilfen.Tragen Sie immer ein Notizbuch bei sich, und notieren Sie sich dort Ihre Termine,  Besprechungen, Besorgungen und Gedanken.

Schaffen Sie sich Ihre eigene Struktur. Machen Sie Pläne, Listen, etc. Nutzen Sie hierzu Ihren PC und das Handy. Bitten Sie Freunde, dass sie Sie an wichtige Termine erinnern mögen.

Richten Sie Ihre Umgebung so ein, dass Sie sich wohlfühlen. Suchen Sie sich in Ihrer Wohnung einen Ort, der nur Ihnen gehört. Erlauben Sie sich dort Ihr persönliches Chaos und bitten Sie andere, dort nichts zu verändern.

Finden Sie sich damit ab,dass Sie viele Projekte anfangen und nicht zu Ende bringen. Lassen Sie sich nicht von Vorwürfen anderer aus der Bahn werfen oder beeinflussen. Es ist für Sie normal.

Suchen Sie sich Herausforderungen als Stimulans. Viele ADS/ADHS-Betroffene wachsen bei Herausforderungen über sich hinaus. Entschließen Sie sich, bei Projekten der „Anstifter“ zu sein und die Exekutive von anderen ausführen zu lassen.

Setzen Sie sich Termine und versuchen Sie, diese einzuhalten. Hier empfiehlt es sich, mit einem großen Wandkalender zu arbeiten. Überlegen Sie sich ein Belohnungssystem, wenn Sie Ihre Termine erfüllt haben.

Zerlegen Sie Projekte in Ihre Einzelteile und machen Sie daraus viele kleine Projekte, die Sie einzeln wie ein Puzzle abarbeiten. Sie werden sehen, dass Sie dadurch das Projekt oder die Aufgabe schneller und erfolgreich zu Ende bringen werden.

Bedenken Sie, dass von ADS/ADHS betroffene Menschen oft nicht den Unterschied zwischen Wichtigem und Unwichtigem erkennen können. Jede Aufgabe erscheint gleich schwer. Fangen Sie an, mit Prioritätenlisten zu arbeiten. Priorität 1,2, 3 usw. Wenn Sie sich dort überfordert fühlen, bitten Sie Freunde, Verwandte oder Bekannte um Hilfe.

Akzeptieren Sie, dass Sie unsicher werden. Wenn alles gut läuft, vermuten Sie nicht hinter jeder Ecke das nächste Fiasko. Versuchen Sie, die positiven Dinge zu genießen. Sie verdienen Erfolg genauso wie jeder andere.

Finden Sie heraus, wo Ihre Stärken liegen und in welcher Umgebung Sie am besten arbeiten. Wenn Sie mit lauter Rockmusik besser arbeiten als in totaler Stille, dann erlauben Sie sich diesen Umstand. Achten Sie natürlich darauf, dass Sie Rücksicht nehmen und andere damit nicht belästigen.

Akzeptieren Sie, dass Sie wahrscheinlich multitask sind. Machen Sie mehre Dinge gleichzeitig, wenn Ihnen danach ist. Wenn Sie nicht alleine sind, achten Sie bitte auch hier darauf, Rücksicht auf die andere Person zu nehmen, denn dieses Verhalten kann bei Ihrem Gegenüber auch als Desinteresse gewertet werden.

Tun Sie das, worin Sie gut sind. Schöpfen Sie dort Kraft und Selbstvertrauen. Niemand kann Sie zwingen Dinge zu tun, die Sie nicht beherrschen. Lassen Sie sich bei Ihren Aufgaben Zeit, machen Sie Pausen. Wenn es geht, machen Sie kleine Spaziergänge. Reden Sie mit anderen Personen, lesen Sie, hören Sie Musik, zappen Sie im TV, kleine Pausen helfen Ihnen neue Kraft und neuen Antrieb zu finden.

Legen Sie sich überall kleine Notizzettel hin. Im Auto, am Bett, in der Küche, beim TV. Sie wissen nie, wann Sie wieder einen Geistesblitz oder eine gute Idee haben.

Machen Sie sich beim Lesen eines Buches Notizen. Notieren Sie Ihre Gedanken, machen Sie notfalls Kopien von dem Schriftstück oder arbeiten Sie mit einem Bleistift.

Machen Sie fest eingeplante Ruhepausen. Organisieren Sie diese Zeiten wie ein Ritual und lassen Sie einfach die Seele baumeln. Machen Sie, was Ihnen Spaß macht. Tanzen Sie durch die Wohnung, drehen Sie Ihre Stereoanlage bis zum Anschlag auf und singen Sie laut mit. Machen Sie einfach „Blödsinn". Sie werden sehen, das wird Ihnen richtig gut tun.

Wenn Sie unnötigerweise Zeit verschwenden, machen Sie sich deswegen keine Vorwürfe: ADS/ADHS-Menschen brauchen öfter einen "Batteriewechsel" als nicht Betroffene.

Versuchen Sie, Ihr Suchtverhalten positiv zu verwenden. Suchen Sie sich Aktivitäten, bei denen Sie Ihre Sucht stillen können aber gleichzeitig etwas Gutes für sich tun. Sport,Lesen,Schreiben, etc.

Hören Sie auf, die Schuld für Stimmungen und Gefühle bei anderen zu suchen. Manchmal kommen Stimmungen und Gefühle einfach von alleine an die Oberfläche. Nicht jedes Mal muss dort ein Hintergrund vorhanden sein. Denken Sie in solchen Fällen daran, dass die negativen Gefühle genauso schnell gehen,wie sie gekommen sind. Sagen Sie sich: „Morgen ist ein neuer Tag, und da wird alles anders aussehen.“

Legen Sie sich Sprüche und Floskeln zurecht,wenn einmal wieder ein Missgeschick passiert. Versuchen Sie, die Dinge positiv zu bewerten. Lachen Sie darüber, anstatt stundenlang darüber nachzugrübeln, warum das wieder passieren musste.

Machen Sie Pausen, wenn Sie merken, dass Sie impulsiv sind oder reagieren werden. Nehmen Sie sich Zeit, um über die Situation nachzudenken. Eventuell schreiben Sie sich die Punkte auf, die Sie aufregen. Sie werden sehen, wenn Sie das tun, wird aus einem fast Streit gar kein Streit.

Lernen Sie Ihre Ansichten objektiv zu vertreten. Aufgrund ständiger Kritik, die Sie mit Sicherheit zur Genüge kennen, werden viele Dinge defensiv vertreten, sprich aus einer Verteidigungshaltung heraus. Das kann zu Missverständnissen führen,weil Ihr Gegenüber Sie wahrscheinlich gar nicht angreifen will, aber Ihr Verhalten so werten könnte.

Versuchen Sie, Diskussionen nicht aus dem Weg zugehen. Vereinbaren Sie eventuell Aus- oder Sprechzeiten. Machen Sie sich Notizen, schreiben Sie sich Ihre Fragen zum Thema auf und stellen Sie sie am Ende. Nehmen Sie sich eventuell 5 – 10 Minuten Bedenkzeit, bevor Sie antworten und informieren Sie Ihren Gesprächspartner, dass Sie sich diese Zeit nehmen.

Versuchen Sie, Ihre Erfolge in Gedanken zu behalten. Schreiben Sie eventuell ein Tagebuch über erfolgreiche Unternehmungen, schöne Ausflüge und andere positive Begebenheiten. Lesen Sie diese Zeilen, wenn es Ihnen einmal nicht so gut geht. Erinnern Sie sich daran, dass Sie schon einen Menge Erfolge hatten und genießen Sie diese nach Herzenslust.

Von ADS/ADHS betroffenen Menschen sind in der Lage zu hyperfokussieren. Nutzen sie diese Gabe. Hier sind sie anderen überlegen.

Vermeiden Sie Grübeleien und ständiges Hinterfragen. Versuchen Sie, sich selbst zu stoppen, wenn Sie merken, dass Sie in diesen Zustand verfallen. Lenken Sie sich in solchen Momenten ab. Stehen Sie auf und sagen Sie sich: Das will ich jetzt nicht.

Suchen Sie sich sportliche Aktivitäten, die Sie auspowern und ablenken. Einige von ADS/ADHS betroffene Menschen finden besonders in Ballsportarten eine gute Betätigung. Ein persönlicher Tipp von mir ist die Sportart Golf, da Golf nicht perfektionierbar ist und dem Betroffenen immer wieder neue Erfolgsaussichten und Herausforderungen bietet.

Treffen Sie eine gute Wahl bei der Auswahl der Menschen in Ihrem Umfeld. Niemand kann von Ihnen verlangen, jeden zu mögen und jedem zu gefallen. Testen Sie den Menschen auf seine Aufrichtigkeit und lassen Sie sich Zeit für die Entscheidung, ob die Person in Ihr Leben passt. Nicht jeder Mensch muss wissen, dass Sie ADS/ADHS haben.

Versuchen Sie, Ihre Fehler mit Humor zu nehmen. Lachen Sie über sich selbst und erlauben Sie anderen, daran teilzunehmen. Gute Freunde werden Ihre Fehler niemals zu Ihren Ungunsten auslegen.

Betreiben Sie ein aktives soziales Umfeld auch zu nicht von ADS/ADHS betroffenen Menschen. Sie können von diesen Menschen eine Menge lernen. Sie müssen nicht jede Person gleich zu einem Ihrer besten Freunde machen, aber Sie werden sehen, dass ein aktives soziales Umfeld vieles auffangen kann und wird. Versuchen Sie, besonders hier Verabredungen strikt einzuhalten. ADS/ADHS-Menschen neigen zur Unzuverlässigkeit, was nicht nur im Freundeskreis als negativ empfunden wird.

Suchen Sie sich Gruppenaktivitäten jeder Art: Sport, Hobbys, Kunst, etc. Sie werden sehr viel Kraft hieraus schöpfen und den Rückhalt als sehr positiv empfinden.

Verlassen Sie Gruppen und Menschen, die Sie nicht verstehen, die Sie nicht schätzen und nicht ernst nehmen. Gestehen Sie sich zu, die Welt nicht ändern zu können. Die Zeit und Kraft, die Sie in solche Menschen und Gruppen setzen, ist es nicht wert. Sie können und müssen nicht jedem gefallen. Nutzen Sie diese Zeit lieber mit weniger Menschen, die aber qualitativ besser für Sie sind.

Machen Sie Komplimente und loben Sie Ihre Mitmenschen. Gönnen Sie anderen den Erfolg, und versuchen Sie andere zu unterstützen. Sie werden sehen, dass man Ihnen Gleiches zurückgibt.

Und zu guter Letzt! Bedenken Sie bei allem, was Sie bisher gelesen haben, dass Sie ein ausgesprochen wertvolles Individuum mit Fassetten und einer ausgeprägten Persönlichkeit sind. Sie sind genauso liebenswert wie jeder andere Mensch auch. Lernen Sie sich mit allen Ihren Vor- und Nachteilen kennen und akzeptieren Sie sich so, wie Sie sind. Sie werden sehen, dann wird es Ihre Umwelt auch tun und Sie haben erheblich weniger Schwierigkeiten mit Ihrem ADS/ADHS in dieser Gesellschaft zurecht zu kommen. 

Frei nach Hellowell aus dem Buch: Zwanghaft Zerstreut

Weiterführende Informationen:

  • Tipps für Menschen im ADHS Spektrum > Sie befinden sich hier!

 

ADHS Weitere Infos

Noch mehr Informationen können Sie in den folgenden Bereichen vorfinden:

Zum Mitlesen und Fragen stellen: Das Forum zum Thema ADHS und ADS

Als bequemer Download: Zahlreiche Infos und Dokumente rund um ADHS und ADS

Aus dem Büchershop: Empfehlenswerte Literatur zu diesem Thema

Back to Top